In den letzten Jahren hat sich ein dramatischer Wandel vollzogen. Wo einst amerikanische und englische Künstler die Auktionen mit hohen Preisen und Schlagzeilen begleiteten, bestimmen heute deutsche Künstler die zeitgenössische Kunstszene. Gerhard Richter, Georg Baselitz, Anselm Kiefer und Sigmar Polke sind die großen Köpfe in einem rasant wachsenden deutschen Kunstmarkt. In vielen Auktionen machen deutsche Künstler mehr als ein Viertel des gesamten Losangebots aus.

Großes Interesse an deutschen Künstlern

Früher bildeten Werke von Künstlern wie Francis Bacon, Jeff Koons und Andy Warhol das Herzstück eines Verkaufs zeitgenössischer Kunst. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Bieter für zeitgenössische deutsche Kunst international um 31 % gestiegen.

Das beispiellose Interesse hat dazu geführt, dass etablierte Künstler wie Thomas Schütte, Martin Kippenberger, Albert Oehlen, Günther Uecker und Thomas Ruff Jahr für Jahr ihre eigenen Auktionsrekorde brechen.

Was steckt hinter dem Aufstieg deutscher Künstler?

Einige Kritiker glauben, dass die Stärke der deutschen Kunsthochschulen, darunter die Düsseldorfer Kunstakademie und die Frankfurter Städelschule, zum Teil für die hohe Nachfrage nach den Werken deutscher Künstler verantwortlich ist. So wie die Dezentralisierung in Deutschland, anders als etwa in Großbritannien, hat die Struktur einflussreiche und mächtige Zentren, die über das ganze Land verteilt sind.

Der vielleicht wichtigste Punkt ist die komplizierte Materie des Themas und der Inspiration. Richter und Baselitz waren alt genug, um das Blutbad am Ende des Zweiten Weltkrieges miterleben zu können. Mit sieben Jahren, als der Krieg zu Ende ging, wuchs Baselitz am Rande eines dezimierten Dresden auf.

Das Werk von Anselm Kiefer hat sich wie kaum ein anderer deutscher Künstler mit der dunklen Vergangenheit des Landes auseinandergesetzt. Geboren während des Zweiten Weltkriegs, erforscht seine Praxis das Nachkriegsbewusstsein und die Denkweise der Generation seiner Eltern. Sein Werk „Athanor“ zeigt die verkohlten Überreste eines Gebäudes im Reichstagsstil. Der Titel bezieht sich auf den Namen des Ofens, der entwickelt wurde, um Blei in Gold zu verwandeln. Das zur Zeit des Mauerfalls entstandene Gemälde ist eine Metapher für die bewegte Geschichte Deutschlands. Verkauft wurde es auf einer Auktion bei Christie’s im Jahr 2011 für $1.539.950. Das Auktionshaus ist zuversichtlich, dass dieser Preis in weiteren Auktionen übertroffen wird.